Antioxidantien und Selen gehören nicht in einen Topf – Bewertung der Supplementierung während Chemo- und Strahlentherapie

Antioxidantien und Selen gehören nicht in einen Topf – Bewertung der Supplementierung während Chemo- und Strahlentherapie

Marc D. Piroth · Ralph Mücke · Oliver Micke

Ziel der Arbeit

Abschätzung des Risikos einer Verringerung der Wirksamkeit einer Brustkrebstherapie durch Einnahme von Antioxidanzien bei postmenopausalen Frauen unter Chemotherapie und Strahlentherapie.

Patientinnen und Methoden

Daten von 2223 postmenopausalen Brustkrebspatientinnen aus der populationsbasierten MARIE-Studie (Mamma Carcinoma Risk Factor Investigating Study, Details in [1]) wurden inkludiert. Die Patientinnen wurden befragt im Rahmen des Studieneinschlusses 2002–2005, danach erneut im Jahr 2009. Das Follow-up erstreckte sich bis 30.06.2015. Die Abschätzung der Hazard-Ratio (HR) und der korrespondierenden Konfidenzintervalle erfolgte mittels Cox-Regressionsanalyse.

Ergebnisse

Eine Supplementierung erfolgte vor bzw. nach Diagnose bei 36% bzw. 45% der Frauen. Insgesamt 240 Todesfälle (134 brustkrebsbedingt) sowie 200 Brustkrebsrezidive wurden gesehen nach einem medianen Follow-up von 6 Jahren (ab Befragungszeitpunkt 2009).

In einem Subgruppenvergleich von 1542 Patientinnen, die keine Antioxidanzien während Chemo- und/oder Strahlentherapie eingenommen haben vs. 167 Patienten, die während der Therapie Antioxidanzien einnahmen zeigten sich mehr Ereignisse zuungunsten der parallelen Antioxidanzien. Bezüglich der Gesamtmortalität, brustkrebsspezifischer Mortalität und rezidivfreiem Überleben wurden 170 vs. 24,94 vs. 16 und 252 vs. 39 Ereignisse gesehen. Nach Adjustierung multipler Covariaten bzgl. möglicher beeinflussender Faktoren (tumor- und patientenspezifische Faktoren) zeigte sich, dass die Einnahme von Antioxidanzien parallel zu einer Chemotherapie oder Strahlentherapie mit einer Verschlechterung der Gesamtmortalität (HR 1,64; p= 0,04) und der Rezidivfreiheit (HR 1,84; p= 0,002) assoziiert war. Hinsichtlich der brustkrebsspezifischen Mortalität zeigte sich ebenfalls eine Verschlechterung (HR 1,8; p= 0,06) für eine parallele Supplementierung mit Antioxidanzien, wenngleich nicht signifikant.

Schlussfolgerung der Autoren

Eine Supplementierung vonBrustkrebspatientinnen mit antioxidativen Substanzen während einer Chemotherapie oder Strahlentherapie war assoziiert mit einer verschlechterten Prognose bei postmenopausalen Frauen. Eine Overall-Assoziation zwischen Supplementierung nach erhaltener Diagnose und Prognose bei postmenopausalen Brustkrebspatientinnen wurde nicht nachgewiesen. Während einer brustkrebsspezifischen Therapie sollten Antioxidanzien daher potenziell mit Vorsicht verwendet werden.

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